Allgegenwärtig – und doch weg vom Fenster!

von Susanne Broß am 02.06.2010 um 18:03
Margot KäßmannMargot Käßmann hat die evangelische Kirche geprägt, wie niemand anderes in den vergangenen zehn Jahren. Eine Frau, die mit Ende 30 als Bischöfin an die Spitze katapultiert wird, und mit knapp 50 vor den Trümmern ihrer Existenz steht. Eine kurze Karriere – geprägt von ihrer eigenen Gradlinigkeit – ihrer eigenen Konsequenz.

Susanne BroßEs ist eine falsche Entscheidung – nämlich die, betrunken zu fahren, die Margot Käßmann den Boden unter den Füßen weg zieht, und ihre Schäfchen allein und fassungslos zurück lässt. Und doch wird sie geliebt – als Hoffnungsträgerin weiter gefeiert. Viele fordern sogar, dass sie erneut zur Landesbischöfin ernannt wird. Sie selbst schließt das aus – doch darf sich eine Frau des Glaubens den Nöten und Wünschen ihrer Anhänger entziehen? Ich sage, sie darf. Denn nur, wenn sie auf das Amt verzichtet und an der Basis als Pastorin weiter arbeitet, lebt sie ihr eigenes Leben im Dienste der Kirche weiter – konsequent, wie sie eben ist. Und was meinen Sie?

Ihre Susanne Broß
Redaktionsleiterin Guten Abend RTL
für Niedersachsen und Bremen


Eine beängstigende Wirtschaftsmacht

von Henrik Horndahl am 02.06.2010 um 17:01
SkylineIch muss mein Bild von China revidieren. Das Land, in dem zahllose Arbeiter auf ihrem Fahrrad in die Fabrik fahren und in der Mittagspause Hühnchen süß-sauer essen, gibt es wohl nicht mehr.

Verkehr ShanghaiIch bin seit fünf Tagen mit einer Delegation um den Hamburger Bürgermeister Ole von Beust im Reich der Mitte unterwegs. Ich habe Universitäten gesehen, in denen nicht Massenproduktion, sondern Design und Marketing gelehrt werden, ich war auf dem dritthöchsten Gebäude der Welt und habe von meinem Hotelzimmer im 45. Stock auf ein Shanghai geblickt, das vor Kraft nur so strotzt. Heute sind wir nach Chengdu geflogen. Haben Sie noch nie gehört? Ich auch nicht - dabei wohnen hier zehn Millionen Menschen. Und von solchen Städten gibt es noch dutzende. Dahinter steckt eine Wirtschaftsmacht, die mir Angst macht.

Henrik HorndahlWir diskutieren seit Jahren über das Kraftwerk in Moorburg, die Chinesen aber bauen im ganzen Land solche CO2-Schleudern - und hier demonstriert niemand. 35 Stunden Woche? 30 Tage Urlaub? Müll trennen? Spielt in China keine Rolle. Die Produkte werden trotzdem immer hochwertiger. Haben wir da in Norddeutschland überhaupt noch eine Chance im Wettbewerb mitzuhalten? Wenn ich mir ansehe, wie zielstrebig und mit welcher Dynamik China seine Pläne umsetzt, habe ich da große Zweifel...

Ihr Henrik Horndahl
Reporter Guten Abend RTL für
Hamburg und Schleswig-Holstein

„Ich bin schön!“

von Susanne Böhm am 27.05.2010 um 17:35
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Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, das ist keine arrogante Selbsteinschätzung, sondern der Satz, der Ihnen jeden Morgen vor dem Spiegel durch den Kopf gehen müsste. Das ist nicht so?

Heute startet der zweite Teil von „Sex and the City“ in den Kinos. Im kunterbunten Quassel-Kinoknüller geht es aber nicht nur um Schuhe, Sex und Small Talk, sondern auch um die Daseinsberechtigung von vier ganz unterschiedlichen Frauentypen. Jeder von uns findet sich in ihnen wieder, ob nun in Gesinnung, Aussehen oder Einstellung. Trotz des erfrischend fortgeschrittenen Alters der Hauptdarstellerinnen kann sich der Film nicht ganz frei machen vom eingefahrenen Rollenbild der ach so modernen Frau. Das Motto: Mädels, ihr müsst multitaskfähig und taff sein, aber auch romantisch und liebevoll.

susanne_boehm_blog_100309Klar, durch die neue Emanzipation der Figur dürft ihr auch dicker sein, aber diese Strategie scheint Modelabels und Frauenzeitschriften auch ganz gut ins Marketingkonzept zu passen. Wenn es aber das ist, was Frauen zum Umdenken bringt, bitteschön! Dann werden Sie es hoffentlich wieder sein, die bestimmen, was auf den internationalen Laufstegen nicht mehr nur herumklappert sondern sich sinnlich bewegt.

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass hinter verschlossenen Türen einige Designer-Darlings vor soviel Frauengewicht erstarren werden – und sich über uns kaputtlachen. Aber sollen sie doch, da steht Frau doch glatt drüber, oder?

Ihre Susanne Böhm
Moderatorin Guten Abend RTL
für Hamburg und Schleswig-Holstein


Komm lass uns Freunde sein – der inszenierte Rockerfrieden

von Svenja Dohmeyer am 27.05.2010 um 16:47
Rockerfrieden
Es kommt nicht oft vor, dass die Unterwelt Medienvertreter im großen Stil zum Pressegespräch einlädt. Man durfte also gespannt und skeptisch sein, als die Chefs der Hells Angels und Bandidos gestern die Presse in eine noble Hannoveraner Anwaltskanzlei baten, um sich dort – einen Tag vor der Innenministerkonferenz - medienwirksam die Hände zu reichen und den jahrelangen Bandenkrieg für beendet erklären.

Man habe eingesehen, dass der Rockerkrieg niemandem etwas bringt, erklärt Frank Hanebuth, 45 Jahre alt und Chef der hannoverschen Hells Angels, gestern vor laufenden Kameras. Nun soll Frieden herrschen. Der Zeitpunkt des öffentlichen Händedrucks ist dabei kein Zufall. Denn nur einen Tag später diskutieren die Innenminister aller Länder heute über ein Verbot der kriminellen Rockergangs. Eine Friedensgeste kommt da gerade recht, mögen sich die sonst so Unberechenbaren gedacht haben.

Den Bogen überspannt

RockerfriedenDoch die Rechnung geht nicht auf. Polizei und Politiker zeigen sich unbeeindruckt. Viele wollen ein Verbot der Banden weiter voran treiben. Zu lang ist die Liste der Verbrechen und Gewalttaten, die über Jahre von Mitgliedern der Hells Angels und Bandidos verübt wurden. Erst im März diesen Jahres erschoss ein Rocker der Hells Angels in Rheinland-Pfalz einen Polizisten, weil der wegen des Verdachts der räuberischen Erpressung seine Wohnung durchsuchen wollte.

Die Rocker bezeichnen sich selbst als Gesetzlose. Ihr Geschäft ist das Milieu, mit allem was dazu gehört: Bars und Gastronomie, eine eigene Tabak- und Schnapsmarke, Security aber auch Drogenhandel und Prostitution zählen zu den Einnahmequellen.

Wie allen Geschäftsleuten geht es letztlich auch den Rockern um eines: um’s Geldverdienen. Und vielleicht haben sie verstanden, dass sie mit ihrem Bandenkrieg und ihren brutalen Verbrechen untereinander den Bogen überspannt haben. Ein Friedensschluss der Banden ist schön. Doch die Gesetzeshüter liegen mit ihrer Skepsis richtig und werden die Machenschaften der Rocker auch in Zukunft genau im Auge behalten.

Ihre Svenja Dohmeyer
Redakteurin Guten Abend RTL
für Niedersachsen und Bremen

Wilde Kerle oder Lillifee – Haben es Mädchen-Mütter leichter?

von Mütter-Doppel am 21.05.2010 um 10:57
nicole ide und kathrin bensemann


Zwei Mütter - zwei Meinungen

Einmal pro Woche melden sich unsere Redakteurinnen Nicole und Kathrin - beides Doppelmamis - in unserem Mama-Blog „Mütter-Doppel“ zu Wort - und diskutieren Themen rund um Kinder und Erziehung.
Und natürlich ist dabei auch IHRE Meinung, liebe User, gefragt. Schreiben Sie uns!


Kathrin Bensemann: Ich bin gerne Jungen-Mutter. Ganz ehrlich. Obwohl es immer laut ist, die Hosen immer Löcher haben und ich mit dem Staubsauger um alle Spielzeug-Auto-Schlangen herum muss.

Nicole Ide: Ich halte es für ein Vorurteil, das Mädchen leise und ordentlich sind. Spielzeugautos passen ja zum Glück nicht in den Sauger, aber so ein kleiner Barbie-Riemchenpumps ist da schnell weg. Engagierte Mütter wie ich hocken dann kniend mit Taschenlampe vor dem Sauger und versuchen im Beutel hoffentlich nicht eine eingesaugte Spinne, sondern den Barbieschuh zu finden.

kathrin bensemannKathrin Bensemann: Bei uns ging es dann nicht um Barbies, sondern um Bolzplatz-Bengel. Unser Ältester ist fünf – und die Wilden Kerle sind in unser Haus gezogen. Das sind diese ballspielenden Burschen, im Kinofilm verkörpert von den Ochsenknecht-Söhnen. Für meinen Mann stand gleich fest: Die kommen uns nicht ins Haus, das ist doch nur Geldmacherei. Aber was ist schon Geld gegen die schönsten blauen Kulleraugen eines Fünfjährigen? Es ist nicht so, dass er darum gebettelt hat, es ist der Blick, mit dem er Wilde-Kerle-Jungs hinterher schaute. Trotzdem blieb ich hart – sehr lange sogar. Bis eines Nachmittags der beste Freund meines Sohnes vor der Tür stand – sie können sich schon denken, womit. „Schaut mal, hat mir meine Mama vom Flohmarkt mitgebracht“, hörte ich ihn über seine neues T-Shirt sagen und entwickelte gleichzeitig Mordgelüste gegen meine Freundin – Mutter dieses Jungen.

Nicole Ide: Prinzessin Lillifee hat wahrscheinlich bessere Manieren, als die wilden Kerle und ist im rosa Kinderzimmer einer Fünfjährigen herzlich willkommen. Allerdings nimmt diese Phase im siebten Lebensjahr ein abruptes Ende und ich hätte theoretisch alle rosa Klamotten aussortieren und das Zimmer renovieren müssen.
Außerdem kann ich Mädchen-Mütter vor der Anschaffung eines Lillifee-Schulranzens nur warnen, das lohnt sich nicht. Ihre Tochter ist in der zweiten Klasse damit unten durch!

Kathrin Bensemann: Und was glauben Sie, haben die Wilden Kerle dann schließlich mit mir gemacht? Ich entwickelte mich zum wilden Flohmarkt-Schrecken. Ich, die sonst eher einen Bogen um Märkte und Feilschen macht. Ellenbogen raus und los. Und ich war schnell. Mega-Schnäppchen an einem Stand – T-Shirt, Pulli und Kappe sind meins. Ob sich der Einsatz gelohnt hat? Ich habe einen neuen Titel: Kerle-Königin. Und die blauen Augen leuchten für mich…

nicole ideNicole Ide: Leuchtende Augen bei kleinen Mädchen gehen da eher einfach: Fast jeden Morgen fragt mich meine zweijährige Tochter: „Mama, darf ich Lippen schön?“ Wenn ich dann ihre süße Schnute mit Pflegestift eincreme, leuchten ihre Augen, weil sie ein bisschen so sein darf wie Mama. Für meine Große war es früher das Größte, wenn ich ihr die Fingernägel lackiert habe. Sie erklärte uns den Unterschied zwischen den Geschlechtern deshalb auch früher so: „Männer haben einen Penis und Frauen haben Nagellack“.
Da bin ich als Mädchen-Mutter klar im Vorteil, denn den (den Nagellack, natürlich) habe ich griffbereit in der Badezimmerschublade.

Was meinen Sie, wer hat es leichter Mädchen- oder Jungen-Mütter?

Ihre Kathrin Bensemann und Nicole Ide
Redakteurinnen RTLregional.de